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Den folgenden Artikel habe ich im Winter 2001 für die Zeitschrift "Nightsky" (www.nightsky-online.de) verfasst.



Wie entsteht das Polarlicht?

Von der Sonne wird nicht nur Licht und Wärme, sondern auch der sogenannte Sonnenwind abgegeben.
Dieser entsteht in der äußeren Sonnenhülle, der Korona, der Strahlenkranz um die Sonne, den man bei einer totalen Sonnenfinsternis sehen kann. In der Korona herrschen 1-2 Mio. °C Hitze. Hier werden die Wasserstoff-Atome in Elektronen, Protonen und Ionen gespalten und als Sonnenwind wie das Licht und die Wärme in den Weltraum abgestrahlt. Dieser Wind ist mit einer Geschwindigkeit von 300 - 800 km/s zwar langsamer als das Licht, aber hoch energisch. Je heftiger die Sonne eruptiert, desto schneller und turbulenter rast der Sonnenwind auf unseren Planeten zu - 150 Millionen Kilometer in etwa 4 Tagen.
Die genaue Beschreibung zur Entstehung des Polarlichtes würde hier zu viel Text in Anspruch nehmen. Kurz gesagt: Die Sonnenwindteilchen dringen, über die Nachtseite der Erde, in das Magnetfeld ein. Entlang der Magnefeldlinien, die auf der Erde zwischen 65. und 75. Breitengrad münden, werden sie in 100 bis 500 Kilometern Höhe, von den Luftbestandteilen zum Leuchten angeregt.
Soviel zur Theorie. Diese Erklärt auch, wieso das Polarlicht normalerweise nur in den nördlichen, bzw. südlichen Gebieten auftritt.



Wann kann man das Polarlicht von Deutschland aus sehen?

Kommt es nun zu einem besonders heftigen Masseauswurf auf der Sonne, kann es auch in mittleren Breiten zu Polarlichtern kommen. Die Sonne befindet sich alle 11 Jahre in ihren Aktivitätsmaximum, das heißt es gibt besonders viele Sonnenflecken und es kommt häufig zu Flares. Ein großer Masseauswurf wird meistens durch ein starkes Flare hergeleitet. Die Röntgenstrahlung der Sonne wird in verschiedenen Einheiten gemessen, diese reicht von A (schwache Strahlung) über B und C (mittlere Strahlung) bis M und X. Kommt es nun zu einem Flare, steigt die Strahlung der Sonne wie eine Fieberkurve meist in den sogenannten M- oder selten X-Class-Bereich. Solche hellen Flares lassen sich schon mit Amateurfernrohren, in Verbindung mit H-Alpha-Filtern beobachten. Meistens kommt es dann zu einem sogenannten CME, einem Coronalen Masseauswurf. Hier wird Masse mit einer Geschwindigkeit von z.T. über 2000 km/s abgestoßen. Kommt der Masseauswurf von der Erdzugewandten Seite der Sonne, erreicht die Teilchenwolke die Erde. Auf den Weg zur Erde wird der Sonnenwind meist ein wenig abgebremst. Nach 2-4 Tagen erreicht er dann die Erde. Nun kommt es zu einer sogenannten Schockfront, die Geschwindigkeit der Teilchen steigt von meist 300 km/s auf bis zu 1000 km/s. Hierdurch wird das Erdmagnetfeld stark in Unruhe versetzt. Es kann aber auch zu anderen Schäden kommen, Satelliten können beschädigt werden, ebenso der Funkverkehr auf der Erde. Prominentestes Beispiel ist die amerikanische Weltraumstation Skylab gewesen, sie stürzte aufgrund eines Teilchenwindes ab. Das Erdmagnetfeld wird so stark gestört, dass sich die Magnetfeldlinien Richtung Äquator verschieben - nun kann es auch in mittleren Breiten zu einem Polarlicht kommen.



Wie oft kann man in Deutschland Polarlichter sehen?

Große Masseauswürfe auf der Sonne, besonders Richtung Erde, sind nicht häufig. Jeweils im Aktivitätsmaximum der Sonne ist häufiger mit Ausbrüchen zu rechnen. Aktuell (2001/2002) befindet sich die Sonne noch im Maximum, allerdings schon im abfallenden Ast. Doch auch im Aktivitätsminimum kann es zu kräftigen Masseauswürfen kommen. Leider kann man nicht genau sagen, wie viele Polarlichter es in Deutschland geben kann. Im Jahre 2000 kam es zu 3 hellen Polarlichtern. In diesen Jahr (2001) waren 5 helle Nordlichter von Deutschland aus zu sehen. Insgesamt kam es aber zu mehr als 15, meist schwachen, Polarlichtern.



Wie sieht ein Polarlicht aus?

Diese Frage ist schwer zu beantworten. Das Polarlicht tritt jedesmal in anderen Formen auf. Hier möchte ich nur das Erscheinungsbild des Polarlichts über mittleren Breiten erläutern. Das Polarlicht über Deutschland hat wenig mit dem über Finnland oder Norwegen gemeinsam. Meist dominiert das Rot. Oft kann man ein diffuses Rot knapp über dem Horizont ausmachen. Häufig sind auch Beamer – Strahlen die meist für wenige Sekunden in den Himmel schießen, manchmal auch länger sichtbar sind. Bei sehr hellen Polarlichtern (wie z.B. 06./07. April 2000 und 11./12. April 2001) kann es auch zu Polarlichtvorhängen und der sogenannten Korona kommen. Bei einer Polarlicht- Korona steht das Polarlicht direkt über einem, ein Strahlenkranz ist zu sehen. Solche hellen Polarlichter können bis in den Zenit gesehen werden! Hier kann es auch einen grünen oder gelblichen Farbton annehmen. Bei den meisten, schwächeren, Polarlichtern über Deutschland ist die Aurora aber nur ca. 15° hoch. Trotzdem, nicht nur Natur- und Sternliebhaber sind nach einer Polarlichtsichtung oftmals begeistert. Ein helles Polarlicht ist mithin die schönste Naturerscheinung die es gibt und kommt auch an eine totale Sonnenfinsternis heran!



Zur Fotografie

Das Fotografieren eines Polarlichtes ist nicht allzu schwer. Man braucht zunächst eine Spiegelreflexkamera, Stativ und Drahtauslöser. Filme ab 200 ASA sind zu empfehlen. Unter den Polarlichtfotografen haben sich der Fuji Superia 400 (Bilderfilm) und Kodak Elite Chrome 200 (Diafilm) durchgesetzt. Andere Filme sind z.B. Kodak Bilderwelt 400, Fuji Elite II usw. Als Profi Film empfiehlt sich der Diafilm Fuji Provia 400F. Die Belichtung sollte variieren. Bei einem schwachen Polarlicht kann bis 1 Minute belichtet werden, bei mittelhellen bis ca. 40 sek und bei hellen von 15 – 35 sek. Alle Zeiten sind natürlich nur Erfahrungen. Die kurzen Belichtungszeiten sind zu empfehlen, damit die Bewegung des Polarlichts nicht zu sehr verwischt. Wichtig sind auch die Beobachtungsbedingungen: Bei aufgehellten Stadthimmel sollte grundsätzlich kürzer belichtet werden. Für Freaks hier noch ein Tipp: Da der Film rotempfindlicher als das Auge ist, kann man Polarlichter fotografieren wenn visuell gar keine sichtbar sind. Mir persönlich ist dies schon öfters gelungen. Am 31. März 2001 konnte ich mit bloßem Auge kein Polarlicht mehr sehen, auf dem Bild was ich zu dieser Zeit machte ist hingegen eine helle rote Säule zu erkennen. Natürlich funktioniert das nur, wenn man sicher weiß, dass es zur Zeit ein Polarlicht gibt.



Wann gibt es das nächste Polarlicht?

Leider läßt sich nicht mit Gewißheit sagen, wann es das nächste mal Polarlicht von Deutschland aus zu sehen gibt. Vielleicht schon in einer Woche, vielleicht aber auch erst in 5 Jahren. Das Internet bietet Interessierten eine fast unerschöpfliche Datenmenge. Man kann die aktuelle Röntgenstrahlung ansehen (und feststellen ob es zu einem Flare kam), es gibt Daten des Sonnenwindes sowie Polarlichtsichtbarkeitsgrafiken und Vorhersagen.


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 [ Alle Seiten: © Benjamin Kühne | Letzte Aktualisierung: 05.03.2007 ]